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Samstag 14.10.17

Silke Schwarz: Geteiltes Leid ist halbes Leid


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Abendkasse k.A.

Beschreibung

Geteiltes Leid ist halbes Leid
Installation von Silke Schwarz

"Schon der Titel ist eine Floskel", sagt die in Ulm aufgewachsene Silke Schwarz über ihre Arbeit. Ein Begriff, den sie nicht negativ begreift, eher als eine Möglichkeit, über Ereignisse zu sprechen, die sprachlos machen. Um Gefühle zu verbalisieren, die nur schwer in Worte gefasst werden können.
"Geteiltes Leid ist halbes Leid" entstand 2015, in einem Jahr, in dem sich, gefühlt, Katastrophe an Katastrophe reihte. In dem eine Bilderflut tragischer Ereignisse auf die Bevölkerung einprasselte. Eine Bilderflut, die, so Schwarz, oft den Subtext und die Nuancen der Sprache, ja die Sprache selbst untergehen lässt.

Warum aber sind wir so hungrig nach diesen Bildern? Silke Schwarz, die beim Stadtarchiv in Ulm ihre Ausbildung zur Fotografin absolvierte, konzipiert ihre Arbeiten noch immer vom Bild her. Nur findet dessen Vermittlung längst nicht mehr nur über Fotografie statt.

Foto: Silke Schwarz
Auch "Geteiltes Leid ist halbes Leid" war ursprünglich als Videoarbeit gedacht. Bei der Zusammenstellung des gesammelten Materials allerdings bewegte sich der Fokus von den Bildern, die ohnehin die meisten Menschen im Kopf haben, weg, hin zur Sprache. Wie wird im deutschen Fernsehen über diese Katastrophen gesprochen? Überhaupt: Was macht ein Ereignis zur Tragödie, zur Katastrophe? Nicht die Anzahl der Opfer, so Schwarz' Beobachtung, sondern das Ausmaß der Anteilnahme. Bleibt ein tragisches Ereignis ohne diese Anteilnahme nur ein Ereignis? Stimmt die Aussage des Titels überhaupt? Wenn erst der Umfang der Anteilnahme die Katastrophe macht, vergrößert dann das Teilen nicht das Leid?

In "Geteiltes Leid ist halbes Leid" enthält uns Schwarz nicht nur die Bilder vor, sie löst die Sprache, die sie geich einer Partitur arrangiert, auch ganz bewusst von den konkreten Ereignissen und zwingt den Besucher geradezu, sich auf die Sprache zu konzentrieren. Die Anordnung der Installation greift ein weiteres Thema auf: das Wir-Gefühl, das in der Folge tragischer Ereignisse und der Berichterstattung entsteht. So steht man in der Ausstellung auch nicht allein, sondern mit anderen im Kreis. Zum Fokus auf die Sprache gesellt sich der Blick auf ein Gegenüber, mit dem man diesen Moment teilt. Im öffentlichen Raum, anstatt alleine, daheim, vor dem Bildschirm. Und dann stimmt auch das Sprichwort wieder. Als Teil einer temporären Schicksalsgemeinschaft lässt sich die eigene Reaktion auf derartige Ereignisse womöglich doch leichter ertragen.


Veranstaltungsort

Stadthaus Ulm

Münsterplatz 50
89073 Ulm

Lageplan


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