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Donnerstag 18.07.19

13:00 Uhr

Zarte Männer in der Skulptur der Moderne


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Abendkasse k.A.

Beschreibung

In auffallender Vielzahl bearbeiteten die Bildhauer am Beginn des 20. Jahrhunderts den Topos des unversehrten, aber verletzlichen Jünglings. Die Konzeption eines empfindsamen männlichen Körperideals erscheint als bewusste Gegenbewegung zu den heroisch-starken Männerbildern der Zeit. In einem Umfeld des kriegerisch-militanten Selbstbewusstseins der späten Kaiserzeit und noch junger Demokratiebewegungen suchten die vorwiegend männlichen Künstler nach Verfeinerung von Körper und Geist. Der Kult um die Jugend, der sowohl in militanten wie in pazifistischen Kreisen in der Zeit um 1900 blühte, beflügelte dieses Ideal des zarten Mannes. In den literarischen Figuren von Thomas Mann, Rainer Maria Rilke und Georg Trakl oder im Kreis um Stefan George finden sich in der Literatur zahlreiche Parallelen zu diesen ungewöhnlich sanften Männerbildern. Bereits im späten 18. Jahrhundert kam es mit der Klassik zu einer Rückbesinnung auf die Antike und die Plastik der Renaissance. Bildnisse von Amor, Narziss, Pygmalion oder Ganymed als zarte Jünglingsfiguren erfreuten sich großer Beliebtheit in öffentlichen und vor allem auch privaten Skulpturensammlungen. Die moderne Skulptur löste sich jedoch von solchen narrativen Zusammenhängen und bot offener als zuvor Menschenleiber, die von einem inneren, wie äußeren Begehren durchdrungen sind. Die zarten Männer von Hildebrand, Minne und vielen ihrer Zeitgenossen versinnbildlichen ein Erwachen, begegnen jedoch ebenso einem virulenten Zweifel an ihrer Zeit.

Mit Werken von Herrmann Blumenthal, Joachim Karsch, Gerhard Marcks oder Renée Sintenis formierte sich eine neuere Bildhauerei, die das Verletzliche, teils innerlich wie äußerlich Verletzte, in ihren sanften Körperkonzeptionen mitdachte. Eindringlich sind die Beispiele aus der Zeit der nationalsozialistischen Kunstdiktatur, in der die geforderte Weltordnung endgültig keinen Platz mehr für die Zögerlichen, die Zaudernden und die Zweifler vorsah.

Die Ausstellung umfasst rund 60 Werke von Bildhauern aus drei Generationen. Die darin vermittelten Männerbilder stehen teils in herbem Widerspruch zur äußeren Wirklichkeit und ihrer kanonisierten Geschichtsschreibung, gleichzeitig zeigen sie die Vielfalt moderner Geschlechterrollen, die Ausdruck einer bis heute aktuellen Emanzipationsgeschichte sind.

Eine Ausstellung in Kooperation mit dem Georg Kolbe Museum, Berlin.


Veranstaltungsort

Edwin Scharff-Museum

Hermann-Köhl-Str. 12
89231 Neu-Ulm

Lageplan


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